Unsere Lehrerin kam nicht zufällig auf die Idee, das Handy bei den Tagen zuhause zu lassen. Inspiriert wurde sie von den sogenannten handyfreien Wochen, die bereits an einigen österreichischen Schulen durchgeführt wurden. Ziel des Projektes ist es, den persönlichen Austausch zu fördern und zu zeigen, dass gemeinsame Erlebnisse oft wertvoller sein können als Zeit vor dem Bildschirm.
Ein Polizeieinsatz auf der HinreiseDie ersten Schwierigkeiten tauchten bereits bei der Anreise auf. Ein Schüler, dessen Smartphone schon eine Woche vor den Sporttagen nicht mehr funktionierte, hatte die Informationen über die geänderte Abfahrtszeit nicht erhalten. Da er ohne Handy nicht erreichbar war, konnte unsere Lehrerin nur über die Bahnhofspolizei Kontakt zu ihm aufnehmen. Dadurch erreichte er uns erst etwa eine Stunde später. Nach der Anreise mit dem Zug brachte uns eine Seilbahn auf den Berg. Von dort aus wanderten wir rund zwei Stunden bis zur Rieder Hütte.
Die Zeit auf der Riederhütte
Bei der Unterkunft erwartete uns am ersten Tag ein abwechslungsreiches Programm mit verschiedenen Teambuilding-Aufgaben. Am darauffolgenden Tag standen ein Orientierungslauf mit GPS-Geräten und ein Alpen-Capture-the-Flag-Spiel auf dem Programm. Schon bald wurde deutlich, dass die freie Zeit anders genutzt wurde als sonst. Anstatt ständig auf Bildschirme zu schauen, unterhielten wir uns viel mehr miteinander, spielten am Abend Karten oder verbrachten die Pausen gemeinsam. Ein besonderes Highlight war der erste Morgen auf der Hütte, als ein kleines Grüppchen bereits um vier Uhr aufstand, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Jedoch ehe wir uns versahen, war der Ausflug bereits zu Ende.
Die Rückmeldungen unserer KlassenkameradenNach den drei Tagen hatte sich die Stimmung in der Klasse deutlich verändert. Während vor den Sporttagen noch viele skeptisch gewesen waren, waren die Meinungen danach beinahe einstimmig positiv. Die meisten fanden die handyfreien Tage eine spannende und bereichernde Erfahrung. Viele bemerkten, dass sie deutlich mehr Zeit miteinander verbracht hatten und ohne Handy sogar ein paar Mal spazieren gegangen sind. Auch unser Begleitlehrer war begeistert von der Idee ohne Handys auf die Sportwoche zu fahren, er meint als er das erste Mal davon gehört hat war seine Reaktion: „Endlich, es wurde auch schon Zeit!“
Ein Mitschüler erzählte, dass sich seine tägliche Bildschirmzeit seit den Sporttagen drastisch verändert habe. Vorher verbrachte er durchschnittlich acht bis neun Stunden pro Tag am Smartphone, mittlerweile seien es nur noch drei bis vier Stunden. Für ihn waren die Sporttage ein Anstoß, bewusster mit digitalen Medien umzugehen.
Natürlich gab es auch einzelne kritische Stimmen. Ein Junge meinte scherzhaft, sein erster Gedanke nach der Ankündigung sei gewesen: „Meine arme Freundin, die hört jetzt drei Tage nichts mehr von mir!“ Auch nach den Sporttagen war er der Meinung, dass der Handyverzicht nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, da es ihn daran hinderte, in Kontakt mit seiner Familie und seiner Freundin zu bleiben. Solche Ansichten blieben jedoch die Ausnahme.
Bis auf wenige Einzelfälle hielten sich alle an das „Verbot“ und ließen ihre Handys zu Hause. Ganz auf Erinnerungsfotos mussten wir aber nicht verzichten, denn einige von uns nahmen Digitalkameras mit, um die schönsten Momente festzuhalten. Unsere Lehrerin zeigte sich allerdings etwas enttäuscht darüber, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler ihr Handy tatsächlich zu Hause gelassen hatten.
Insgesamt waren die handyfreien Sporttage ein voller Erfolg. Die Idee unserer Lehrerin ging auf. Die drei Tage haben gezeigt, dass man auch ohne Smartphone viel Spaß haben kann und dass das Motto „Wir statt Ich“ tatsächlich gelebt werden kann. Die große Mehrheit der Klasse würde ein solches Experiment jederzeit wiederholen.














